Demographie-Kongress "Best Age"
5. Demographie-Kongress: "Der Staat im Wandel – Generationenpolitik zwischen Fürsorge, Vorsorge und Gewährleistung”
6. September bis 7. September 2010, dbb forum berlin
Der demographische Wandel ist kein Zukunftsszenario, er ist gelebte Realität. Schon heute verändert er Deutschland nachhaltig: In einer Gesellschaft des langen Lebens wird die Gruppe der “jungen Alten”, also der über 65-Jährigen, stark zunehmen, während die Gruppe der unter 25-Jährigen stark abnimmt. Noch in dieser Legislaturperiode werden die ersten Jahrgänge der Baby Boomer in den Ruhestand treten.
Auf der anderen Seite wird sich auch die Landschaft Deutschlands verändern. Die Siedlungsstrukturen sind im Wandel. In weiten Teilen werden sich ländliche Räume weiter leeren. Aber auch vielen Städten stehen Veränderungen bevor: Auch sie schrumpfen, müssen sich auf eine ältere Bevölkerung einstellen und werden vielfältiger. In einigen Städten wird der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in den nächsten Jahren stark anwachsen – vor allem für Großstädte ist eine erfolgreiche Integration dieser Gruppen zugleich die wichtigste Aufgabe und Chance der Zukunft.
Der 5. Demographie-Kongress des Behörden Spiegel greift diese Entwicklungen mit seinem diesjährigen Motto auf: “Der Staat im Wandel – Generationenpolitik zwischen Fürsorge, Vorsorge und Gewährleistung”. Mit Fürsorge, Vorsorge und Gewährleistung werden drei wesentliche Aspekte des Wandels aufgegriffen, die jeweils auch in Beziehung zum Staat stehen und auf die Fragen hinauslaufen: Welchen Staat wollen wir? Wie soll in einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung zukünftig die soziale und technische Daseinsvorsorge gewährleistet werden? Ist in Zukunft das Dogma der “gleichwertigen Lebensverhältnisse“ noch aufrechtzuerhalten? Sind die Sozialsysteme demographiefest?
Hier geht’s zum Programm.
Demographie-Newsletter III (20. August 2010)
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- Generationenpolitik und Gender
- Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Weniger Geburten durch Pendeln
- Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010
- Musik kennt kein Alter
- Demographie-Kongress persönlich: Dr. Thilo Sarrazin, Publizist und Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank
1. Generationenpolitik und Gender
Die demographische Entwicklung der (erwerbstätigen) Bevölkerung hat Deutschland in den letzten Jahren dazu gezwungen, Lösungen zu suchen, die die Arbeitsmarktsituation als auch die Arbeitsbedingungen positiv beeinflussen können und die Wissen und Handlungsansätze für eine zukunftsweisende Generationenpolitik liefern.
„Rente mit 67“, Erhöhung der Zuwanderung, Verkürzung von Studium und Ausbildung, Erhöhung der weiblichen Beschäftigtenzahl, Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit, sind einige der Lösungsvorschläge, um den demographischen Wandel in seinen Auswirkungen abzuschwächen.
Die zukunftsorientierte Genderpolitik mit einer Fokussierung auf weibliche Beschäftigte spielt dabei, vor dem Hintergrund der nach wie vor häufig ungünstigeren beruflichen Situation von Frauen, die sich in geringerem Einkommen, geringeren Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten und in der häufigen Doppelbelastung durch Beruf und Kindererziehung bzw. Pflegearbeit äußert, eine große Rolle.
Das Forum III „Generationenpolitik und Gender“ am 6. September, 11.30 bis 13 Uhr, wird sich mit diesem Thema auseinandersetzen, basierend auf Ergebnissen der Projektarbeit in der „Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)“. Es sollen unterschiedliche Strategien und Instrumente vorgestellt und diskutiert werden, die eine genderorientierte Generationenpolitik auf betrieblicher Ebene initiieren und unterstützen können. www.inqa.de
2. Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Weniger Geburten durch Pendeln
„Politik und Wirtschaft sollten sich stärker mit den Folgen von Mobilität auseinandersetzen“, appellierte Prof. Dr. Nobert Schneider, Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf einer Informationsveranstaltung vor ein paar Monaten im Bundesministerium des Innern. Zwar lebten 80 Prozent der Europäer in der Region in der sie aufgewachsen sind, aber nach einer neuen Untersuchung in sechs europäischen Ländern haben rund die Hälfte Pendler-Erfahrungen. „Die steigenden Anforderungen bezüglich der Mobilität haben negative Effekte auf Familienplanung und das familiäre Leben“, erläuterte Schneider. Sie erschwerten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – insbesondere für Frauen. Daher könne ein weiterer Anstieg der Mobilität negative Auswirkungen auf das Geburtenniveau haben. Außerdem führe berufsbedingtes Pendeln häufig zu einer Re-Traditionalisierung der Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen. Wachsende Mobilität könne daher die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern vergrößern.
Des Weiteren werde das freiwillige soziale Engagement und das Ausmaß ehrenamtlicher Tätigkeit beeinträchtigt. Steigende Mobilität könne daher die weitere Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft behindern. Insbesondere Fern- und Wochenendpendeln habe außerdem negative Konsequenzen auf Gesundheit und subjektives Wohlbefinden. Daher könne erhöhte Pendelmobilität die Lebensqualität in Europa verringern, erläuterte Schneider. www.bib-demografie.de
Auf dem 5. Demographie-Kongress stellt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung diese und weitere interessante Ergebnisse aus Ihren Studien im Forum V: „Generatives Verhalten, Familie und nichtkonventionelle Lebensformen“, am 6. September von 15.45 bis 17.15 Uhr vor
3. Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010
Sie ist anders als ihre Vorgänger, verzichtet auf große Prestigeprojekte und widmet sich den Klein- und Mittelstädten – das Hauptaugenmerk der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 liegt auf den schrumpfenden Städten. Mit neuen, beispielhaften Werkzeugen und dem Mut zu ungewohnten Experimenten wagt die IBA Stadtumbau 2010 eine Form des Stadtumbaus, die den Menschen in Sachsen-Anhalt trotz hoher Abwanderungszahlen und abnehmender wirtschaftlicher Aktivität langfristige Perspektiven eröffnet. So orientiert sich die IBA an sechs Thesen: 1) Eine IBA der Schrumpfung; 2) Eine IBA der Klein- und Mittelstädte; 3) Eine IBA der Konzentration auf städtische Zentren; 4) Eine IBA der Aktualisierung historischer Stadtkerne; 5) Die IBA Stadtumbau 2010 hat keine Leuchtturmprojekte; 6) Eine IBA individueller Themen: 19 Städte – 19 Themen.
Eine Gesamtschau auf den Prozess und die Ergebnisse der IBA Stadtumbau 2010 bietet die Ausstellung „Weniger ist Zukunft“ im Bauhaus Dessau. Sie ergänzt die Präsentationen vor Ort in den 19 beteiligten Städten in Sachsen-Anhalt. Die zentrale Überblicksausstellung startet am 10. April mit einem Tag der offenen Tür und wird bis zum 16. Oktober gezeigt. www.iba-stadtumbau.de
Prof. Philipp Oswalt, Geschäftsführer der IBA Sachsen-Anhalt nimmt am 7. September an der Podiumsdiskussion „Ländliche Regionen im Wandel: Zwischen Fürsorge und Engagement – welchen Staat wollen wir?“ (13.30 bis 14.45 Uhr) teil.
4. Musik kennt kein Alter
„Musik kennt kein Alter - Qualitätssicherung in deutschen Musikvereinigungen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels“ ist der Name einer Studie, die das ISAB-Instituts derzeit im Auftrag der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände (bdo) durchführt. Das Projekt wird auch vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. Die Untersuchung soll u.a. dazu beitragen, Zukunftsperspektiven zur Integration der Älteren in den Orchestern zu entwickeln und sie fit für den demographischen Wandel zu machen. Weiterhin sollen Potenziale und Grundlagen von Seniorenorchestern erforscht und Handlungsempfehlungen für Musikvereinigungen / Musikvereine entwickelt werden.
Im Rahmen der Untersuchung wurde u.a. eine schriftliche Befragung von Vorstandsmitgliedern Deutscher Musikvereinigungen bzw. Musikvereinen durchgeführt. Damit soll ein genaueres Bild von der Struktur und den Generationen in den Musikvereinen erhalten werden. So wird ermittelt, wo es bereits gute Ansätze einer Generationendurchmischung gibt, von denen andere profitieren können. www.isab-institut.de
Auf dem 5. Demographie-Kongress, am 7. September im Fachforum XIII: „Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen“ (15 bis 16.30 Uhr) stellt Projektleiter Stefan Bischoff Ergebnisse aus der schriftlichen Befragung und den Expertengesprächen vor.
5. Demographie-Kongress persönlich: Dr. Thilo Sarrazin
Dr. Thilo Sarrazin ist nicht zum ersten Mal auf dem Demographie-Kongress: Vor vier Jahren auf dem ersten Demographie-Kongress nahm er bereits an der Podiumsdiskussion „Ist die Personalpolitik der öffentlichen Verwaltung auf den demographischen Wandel eingestellt?“ teil. Als damaliger Berliner Finanzsenator drängte er auf einen weiteren Personalabbau im Öffentlichen Dienst und handelte sich Ärger mit den Anwesenden Gewerkschaftsvertetern ein, als er sagte: Ich als gelernter Bürokrat sage: Die Verwaltung ist der Treiber von Bürokratie.“
In den drauffolgenden Jahren wurde Thilo Sarrazin nicht weniger streitbar. Seit Mai 2009 ist er Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bundesbank. Nun wendet er sich verstärkt den Themen Zuwanderung, Integration und Demographie zu. Ende August präsentiert er sein neues Buch „Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“. Hierin beschreibt Sarrazin die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination von Geburtenrückgang, problematischer Zuwanderung und wachsender Unterschicht ergeben. „Sarrazin sieht genau hin, seine Analyse schont niemanden“, heißt es in einer Verlagsmitteilung. Er zeige ganz konkret, wie die Grundlagen des Wohlstands untergraben und so der soziale Frieden und die stabile Gesellschaft aufs Spiel gesetzt werde.
Dr. Thilo Sarrazin nimmt an der Deutschlandradio Kultur Podiumsdiskussion: „Besser integriert! − Migration und demographischer Wandel” am 6. September (10.15 bis 11.15 Uhr) teil. Mit dabei sind außerdem:
- Prof. Dr. Klaus J. Bade, Vorsitzender, Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)
- Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.
- Sevim Dagdelen, MdB, migrationspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke
Moderation: Annette Riedel, Deutschlandradio Kultur
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Der Demographie-Kongress
Der Demographie-Kongress der Behörden Spiegel-Gruppe ist das deutschlandweit größte Branchentreffen der Akteure im Politikfeld Demographischer Wandel. Er bringt Experten aus Staat, Wirtschaft und Wissenschaft zum Ideenaustausch, Kontaktaufbau und Entwicklung neuer Handlungsansätze zusammen. An zwei Tagen kamen 2009 560 Teilnehmer und hörten knapp 100 Referenten. Das war der 4. Demographie-Kongress 2009.
Umfrage Altersakzeptanz in Verwaltungen
Wie sieht die berufliche Situation älterer Beschäftigter in Verwaltungen und öffentlichen Unternehmen in Deutschland aus? Wie steht es um Karrierechancen und Weiterbildungsmöglichkeiten? Wie arbeiten Ältere mit Jüngeren zusammen, welche (vielleicht stereotypischen) Vorstellungen haben diese von ihren Kollegen?
Diese und andere Aspekte der demographischen Entwicklung misst die erste offene Online-Studie zur Altersakzeptanz, die von den Beratungsunternehmen Dr. Tenckhoff UG (Hennef/Sieg) und Result Counts GmbH (Mainz) durchgeführt wird. Der Behörden Spiegel ist Kooperationspartner der Studie, an der sich Mitarbeiter in Verwaltungen (anonymisiert) unter http://survey.tenckhoff.eu beteiligen können. Die Ergebnisse werden auf dem 5. Demographie-Kongress am 6. September in Berlin ausführlich vorgestellt.
Während die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Belegschaftsstrukturen mittlerweile relativ gut bekannt sind, misst der Indikator „Altersakzeptanz“ nun erstmals die vermeintlich „weicheren” Konsequenzen. Erste übergreifende Ergebnisse der insgesamt auf drei Jahre angelegten Studie mit mehr als 1.000 Teilnehmern aus allen Branchen zeigen bereits nach rund zehn Monaten, dass die Altersakzeptanz in deutschen Unternehmen im Vergleich zu anderen Ländern relativ gering ist. Dabei bestehen Unterschiede nach Branchen und Regionen.
Niedrige Werte schaffen vor dem Hintergrund unweigerlich alternder Belegschaften und mangelnder Nachwuchskräfte beträchtliche Risiken für Unternehmen und Verwaltungen, aber auch für die Beschäftigten selbst. Die Initiatoren der Studie und der Behörden Spiegel wollen jetzt gezielt herausfinden, wie es speziell im Bereich öffentlicher Verwaltungen mit der Altersakzeptanz bestellt ist. Unterscheidet sich der Öffentliche Dienst von anderen Branchen? Und wenn ja: wie? Die Ergebnisse bieten einen konkreten Ansatzpunkt, um die Folgen des demographischen Wandels für Gemeinden, Länder, Bund und öffentlich-rechtliche Unternehmen zu diskutieren und entsprechende Maßnahmen voranzubringen.
Die Online-Studie zur Altersakzeptanz läuft mittlerweile auch in Österreich und den Niederlanden. Eine Ausweitung auf die Schweiz und EU-Ebene wird diskutiert. Beteiligen Sie sich unter http://survey.tenckhoff.eu.